Planspiel der BVG: U3 und U4 stilllegen
28.07.2009: Bezirksbürgermeister Band schreibt Offenen Brief
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Bald Verkehrsdenkmal ohne U-Bahn? Bahnhof Viktoria-Luise-Platz |
Der diesjährige Beitrag der BVG zum Sommerloch hat für Verärgerung gesorgt. Der Vorstand des öffentlichen Verkehrsunternehmens hat laut darüber nachgedacht, mittelfristig die U-Bahn-Linien 3 und 4 stillzulegen, um Kosten zu sparen.
Man kann dies so einschätzen, dass pünktlich zu den Haushaltsberatungen noch einmal Druck gemacht werden soll, um die Zuweisungen aus dem Landeshaushalt zu erhöhen. Man kann dies nach der kostspieligen Pleite mit den Sale-and-lease-back-Geschäften auch einfach nur für eine Unverschämtheit halten.
Bezirksbürgermesiter Ekkehard Band hat sich in wohlgesetzten Wortten in einem Offenen Brief an den BVG-Vorstand gegen Schließungspläne verwahrt:
| Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Vorstandsvorsitzender Herrn Andreas Sturmowski Holzmarktstraße 15-17 10179 Berlin Berlin, den 24. Juli 2009 Offener Brief Stilllegung der U-Bahnlinien U3 und U4 Sehr geehrter Herr Sturmowski,ich wende mich heute in der Form eines offenen Briefes an Sie, weil ich mit Bestürzung in einem Zeitungsbericht vom 19. Juli 2009 erfahren habe, dass Sie die Stilllegung der U-Bahnlinien U3 und U4 erwägen. Ich halte diese Anbindungen für die Menschen im Südwesten der Stadt für unentbehrlich und als Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg sind mir natürlich die Bedürfnisse der Bewohner meines Bezirks ein besonderes Anliegen. Aus diesen Gründen widerspreche ich den Überlegungen der Stilllegung vehement. Es ist mir unverständlich, wie sich die BVG zukünftig z.B. die Anbindung der Bewohner rund um den Viktoria Luise-Platz an den Berliner S-Bahn Ring vorstellt oder mit welcher Begründung sie den ca. 32.000 Studentinnen und Studenten der FU Berlin die direkte Verkehrsverbindung zu ihrer Universität schließen. Dies gilt umso mehr, da in dem Bericht die Stilllegung der Linien unter anderem damit be-gründet wurde, dass die meist wohlhabenden Bewohner aus dem Südwesten größtenteils ein Auto benutzen - zumindest für den überwiegenden Teil der Studierenden - wird dies wohl nicht zutreffen.
Ziel der Landespolitik ist es, die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel für die Auto-fahrer unter anderem mit Maßnahmen wie Umweltzonen und der Parkraumbewirtschaf-tung zu steigern, die Bindung von Stamm- und die Gewinnung neuer Kunden zählt ebenfalls zu den Zielen. Da Öffentlicher Nahverkehr ein Stück Daseinsvorsorge darstellt, sind gleichwertige Mobilitätschancen, Barrierefreiheit und Sicherheit Grundsätze der Nahverkehrspolitik. Deswegen sind die Überlegungen zur Schließung von zwei Linien aus meiner Sicht sehr kontraproduktiv. Es wurden in der Vergangenheit allein bei der Linie U 4 Baumaßnahmen durchgeführt, um nur den zweiten Ausgang am U-Bahnhof Viktoria-Luise-Platz oder die Sanierung der Carl-Zuckmayer-Brücke zu nennen, die sich bei einer Schließung als Fehlinvestitionen herausstellen würden. Diese U-Bahnlinie existiert schon fast seit 100 Jahren, man würde ein Stück Geschichte vernichten und die Bürger wären zusätzlich in ihrer seit fast einem Jahrhundert vertrauten Mobilität eingeschränkt. Sollten Sie die Pläne für die Stilllegung der beiden U-Bahnlinien weiter verfolgen, erwarte ich die Anhörung aller betroffenen Bezirke zu diesen Überlegungen. Ich hoffe, recht bald von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen Ekkehard Band |







