John-F.-Kennedy-Platz: Qualität statt Trödel

26.10.2007: Schworck lässt Vertrag mit Trödelmark-Betreiber auslaufen - Fläche wird neu ausgeschrieben

  

Auch am John-F.-Kennedy-Platz vor dem Rathaus Schöneberg gilt die alte Volksweisheit: Des einen Freud, des anderen Leid.

Seit acht Jahren gibt es den Trödelmarkt vor dem Rathaus Schöneberg. Sehr zur Freude der Bezirkskasse, gibt es doch jährliche Pachteinnahmen in sechsstelliger Höhe. Man kann es beinahe so formulieren: Der Trödelmarkt finanziert den Medienetat der Bibliotheken. Freude empfinden auch die Händler, die einen repräsentativen Ort für Geschäfte vorfinden, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Und auch die Besucher freuen sich. Sei es, weil sie etwas Schönes oder Praktisches günstig gebraucht erstehen können oder sei es, weil sie ein interessantes Ziel für einen Spaziergang haben.

Gar nicht erfreut sind hingegen die Anwohner der Umgebung. Lärm beim Auf- und Abbau der Stände und der Waren, Parksuchverkehr und zugeparkte Straßen und Übergänge, hässliche Szenen, wie das Urinieren in den Park und in Hausaufgänge, umherfliegender Müll.

Die Beschwerden sind zahlreich. Sie konnten auch durch die Anstrengungen des Trödelmarktbetreibers Jörg Thurmann nicht abgestellt werden. Thurmann stellte Dixie-Toiletten auf, engagierte Ordner, verlegte den Auf- und Abbau in Zeiten, in denen sich sich Anwohner weniger belästigt fühlen, ermahnte die Händler zu Rücksichtnahme und Disziplin. Er konnte den Verdruss mildern, aber nicht abstellen.

Eine weitere Entwicklung hat nun Stadtrat Oliver Schworck (SPD) veranlasst, den Vertrag mit dem Betreiber zum Jahresende auslaufen zu lassen: Der Qualitätsverfall.

Wer Thurmanns alte Konzepte liest, findet keine Übereinstimmung mit der jetzigen Situation. Ursprünglich wollte er die besseren Teile des zuvor am Fehrbelliner Platz stattfindenden Kunst- und Antiquitätenmarktes auf den John-F.-Kennedy-Platz verlagern. Ein Vorhaben, das vom damaligen Stadtrat Lawrentz (CDU) und allen BVV-Fraktionen außer den Grünen unterstützt wurde.

Kunst, Antiquitäten, antiquarische Bücher bieten heute kaum mehr als eine Handvoll Händler an, der Rest ist höflich ausgedrückt beliebige Gebrauchtware.

Schworcks Absicht ist es, durch eine Neuausschreibung des Areals einen Betreiber zu gewinnen, der für ein Angebot mit Niveau sorgt, das die Rathauskulisse nutzt, aber ihr auch gerecht wird.

Betreiber Thurmann ist sauer. Er verweist auf die Arbeitsplätze, die der Trödelmarkt bietet und auf die Versorgungsfunktion des Marktes für ärmere Berliner. Aber offenbar rudert er auch schon ein wenig zurück. In einem Zeitungsbeitrag ließ er durchblicken, er erhoffe sich einen geeigneten Ersatzstandort.

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